Friedenskirche: Unterschied zwischen den Versionen
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Die '''Friedenskirche Bergkamen''', gelegen an der Schulstraße 156, ist das vermutlich sympathischste Beispiel dafür, wie man aus einem theologischen, architektonischen und finanziellen Abenteuer ein Erfolgsprojekt mit Kultstatus macht. Die Friedenskirche entstand in einer Phase, in der Bergkamen aus sechs Dörfern zu einer jungen Stadt zusammenwuchs. Ihr Bau setzte ein sichtbares Zeichen dafür, dass in der neuen City ein gemeinsamer Mittelpunkt entstehen sollte. Die Kirche wurde bewusst an einer markanten städtebaulichen Schnittstelle platziert – zwischen Rathaus, Wohnhochhäusern und Geschäftsbereichen – und entwickelte sich schnell zu einem sozialen, kulturellen und geistlichen Zentrum. Ihre Lage, ihre offene Raumkonzeption und ihr Anspruch, '''Kirche auf Augenhöhe''' zu sein, machten sie zu einem Symbol für das Selbstverständnis einer modernen Stadtgesellschaft. Damit verkörpert die Friedenskirche die kirchliche und kommunale Transformationsphase der 1970er/80er Jahre auf exemplarische Weise und besitzt aufgrund ihrer Rolle im städtischen Gefüge eine eindeutige '''historische und identitätsstiftende Bedeutung für Bergkamen'''. Gebaut wurde die Friedenskirche ab 1981 und am '''5. September 1982''' eingeweiht – allerdings als ''„Kirche light“'', denn wesentliche Zutaten wie '''Orgel''' und '''Glocken''' fehlten zunächst noch. | |||
Die '''Friedenskirche Bergkamen''', gelegen an der Schulstraße 156, ist das vermutlich sympathischste Beispiel dafür, wie man aus einem theologischen, architektonischen und finanziellen Abenteuer ein | |||
Das sollte aber niemanden wundern: Die Gemeinde lebte damals ganz nach der Jahreslosung ''„Vergesst nicht Gutes zu tun…“'' – und half erst anderen, bevor sie sich selbst etwas gönnte. | Das sollte aber niemanden wundern: Die Gemeinde lebte damals ganz nach der Jahreslosung ''„Vergesst nicht Gutes zu tun…“'' – und half erst anderen, bevor sie sich selbst etwas gönnte. | ||
== | == Geschichte == | ||
Nach der kommunalen Neuordnung 1966 wurde Bergkamen größer, vielfältiger, städtischer – und die evangelische Gemeinde platzte bald aus allen Nähten. Bereits '''1971''' wurde die Gründung der „Friedenskirchengemeinde“ beschlossen, '''1975''' kaufte man das Grundstück. Das Presbyterium entschied sich 1980 endgültig für den Neubau. Und weil man früh das Motto „Qualität statt Größe“ hörte, wurde ein '''mehrzweckorientierter Bau''' realisiert, der als Symbol des Zusammenwachsens gebaut wurde. | Nach der kommunalen Neuordnung 1966 wurde Bergkamen größer, vielfältiger, städtischer – und die evangelische Gemeinde platzte bald aus allen Nähten. Bereits '''1971''' wurde die Gründung der „Friedenskirchengemeinde“ beschlossen, '''1975''' kaufte man das Grundstück. Das Presbyterium entschied sich 1980 endgültig für den Neubau. Und weil man früh das Motto „Qualität statt Größe“ hörte, wurde ein '''mehrzweckorientierter Bau''' realisiert, der als Symbol des Zusammenwachsens gebaut wurde. | ||
→ Ein Pfarrbezirk gehörte zu Bergkamen, der andere ursprünglich zu Weddinghofen. | → Ein Pfarrbezirk gehörte zu Bergkamen, der andere ursprünglich zu Weddinghofen. | ||
== | == Architektur == | ||
Die Architekten '''Krug und van der Minde (Hagen)''' entwarfen ein Gebäude, das sich weigerte, eine klassische Kirche zu sein. Stattdessen bekam Bergkamen eine '''Kirche mit Innenhof, Gruppenräumen, Jugendbereich''' und – natürlich – einem Kirchsaal | Die Architekten '''Krug und van der Minde (Hagen)''' entwarfen ein Gebäude, das sich weigerte, eine klassische Kirche zu sein. Stattdessen bekam Bergkamen eine '''Kirche mit Innenhof, Gruppenräumen, Jugendbereich''' und – natürlich – einem Kirchsaal. Eine Art ''„multifunktionales Gemeindezentrum mit Altar-Upgrade“''. Der Turm, als vertikaler Akzent gesetzt, widerspricht dem damals verbreiteten Trend des „Turmverzichts“. Den theologischen Zeitgeist nahmen die Architekten ernst: '''Altar und Kanzel bzw. Lesepult auf Augenhöhe,''' es gab nur eine Stufe. Gott spricht eben nicht mehr „von oben herab“. | ||
Den theologischen Zeitgeist nahmen die Architekten ernst: | |||
'''Altar und Kanzel bzw. Lesepult auf Augenhöhe,''' es gab nur eine Stufe. Gott spricht eben nicht mehr „von oben herab“. | |||
== | == Inneneinrichtung == | ||
Alle Prinzipalstücke – '''Altar, Kanzel, Taufbecken''' – bestehen aus '''alten Spurlatten aus dem Bergbau''', die die Gemeinde solidarisch geschrubbt hat, bis kein Krümel Kohle mehr dran war. Wer das schafft, der lässt sich auch von strukturellen Problemen beim Kirchbau nicht mehr entmutigen. Das Kreuz dagegen wurde aus '''neuen''' Spurlatten gebaut – als Symbol für Bergkamens Wandel nach dem Ende des Steinkohlebergbaus. | Alle Prinzipalstücke – '''Altar, Kanzel, Taufbecken''' – bestehen aus '''alten Spurlatten aus dem Bergbau''', die die Gemeinde solidarisch geschrubbt hat, bis kein Krümel Kohle mehr dran war. Wer das schafft, der lässt sich auch von strukturellen Problemen beim Kirchbau nicht mehr entmutigen. Das '''Kreuz''' dagegen wurde aus '''neuen''' Spurlatten gebaut – als Symbol für Bergkamens Wandel nach dem Ende des Steinkohlebergbaus. | ||
== | == Glocken == | ||
Die Friedenskirche Bergkamen erhielt ihr fünfstimmiges Geläut erst am '''1. Advent 1996''', vierzehn Jahre nach der Einweihung der Kirche im Jahr 1982. Die späte Installation war das Ergebnis eines langen Spendenprozesses, den besonders Pfarrer '''Erhard Kayser''' mit großem Engagement vorantrieb. Unter anderem ließ er kleine Messingglocken gießen, die als frühe Form des „Gemeinde-Merchandisings“ verkauft wurden; der gesamte Erlös floss in die Glockenkasse. | Die Friedenskirche Bergkamen erhielt ihr fünfstimmiges Geläut erst am '''1. Advent 1996''', vierzehn Jahre nach der Einweihung der Kirche im Jahr 1982. Die späte Installation war das Ergebnis eines langen Spendenprozesses, den besonders Pfarrer '''Erhard Kayser''' mit großem Engagement vorantrieb. Unter anderem ließ er kleine Messingglocken gießen, die als frühe Form des „Gemeinde-Merchandisings“ verkauft wurden; der gesamte Erlös floss in die Glockenkasse. | ||
Bei den Planungen stellte sich heraus, dass beim Bau des Turms '''keine Öffnung für Glocken''' vorgesehen worden war. Da ein klassisches großes Geläut baulich nicht möglich war, entschied man sich für '''fünf kleinere, exakt aufeinander abgestimmte Glocken'''. Um die größte Glocke in den Turm zu heben, musste | Bei den Planungen stellte sich heraus, dass beim Bau des Turms '''keine Öffnung für Glocken''' vorgesehen worden war. Da ein klassisches großes Geläut baulich nicht möglich war, entschied man sich für '''fünf kleinere, exakt aufeinander abgestimmte Glocken'''. Um die größte Glocke in den Turm zu heben, musste ein Turmfenster ausgebaut und zusätzlich ein Teil des unteren Glockenrings aus dem Beton ausgeschnitten werden – die Aussparungen sind bis heute sichtbar. | ||
Vor der Installation des Geläuts nutzte die Gemeinde '''Glockengeläut vom Band''', darunter Aufnahmen großer Dome. Für das tatsächliche Geläut reiste ein Glockensachverständiger an, vermasste alle umliegenden Kirchenglocken in Bergkamen und Weddinghofen und stimmte die fünf Glocken der Friedenskirche präzise darauf ab – damit in Bergkamen ein '''harmonisches Stadtgeläut''' erklingen konnte. | Vor der Installation des Geläuts nutzte die Gemeinde '''Glockengeläut vom Band''', darunter Aufnahmen großer Dome. Für das tatsächliche Geläut reiste ein Glockensachverständiger an, vermasste alle umliegenden Kirchenglocken in Bergkamen und Weddinghofen und stimmte die fünf Glocken der Friedenskirche präzise darauf ab – damit in Bergkamen ein '''harmonisches Stadtgeläut''' erklingen konnte. | ||
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Damit verbinden die Glocken der Friedenskirche lokale Geschichte, künstlerische Gestaltung und theologisches Symbolgut zu einem einzigartigen Ensemble. | Damit verbinden die Glocken der Friedenskirche lokale Geschichte, künstlerische Gestaltung und theologisches Symbolgut zu einem einzigartigen Ensemble. | ||
== | == Kunst == | ||
Künstlerische Beiträge prägen die Kirche seit Beginn: | Künstlerische Beiträge prägen die Kirche seit Beginn: | ||
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* Später: neue Fensterentwürfe von '''Günther Grohs''', um den Kirchraum „innovativer zu beleuchten“. | * Später: neue Fensterentwürfe von '''Günther Grohs''', um den Kirchraum „innovativer zu beleuchten“. | ||
== | == Die Kirche heute == | ||
Die Friedenskirche wurde ein Treffpunkt für: | Die Friedenskirche wurde ein Treffpunkt für: | ||
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* LK Baureferat (2005): ''Bauvorgänge Friedenskirchengemeinde Bergkamen.'' Archivunterlagen des Landeskirchenamtes der Evangelischen Kirche von Westfalen. | * LK Baureferat (2005): ''Bauvorgänge Friedenskirchengemeinde Bergkamen.'' Archivunterlagen des Landeskirchenamtes der Evangelischen Kirche von Westfalen. | ||
* Murken, Jens (2010): ''Die evangelischen Gemeinden in Westfalen | * Murken, Jens (2010): ''Die evangelischen Gemeinden in Westfalen.'' Münster. | ||
* Presbyterium Bergkamen-Frieden (1980–1982): Planungsvorlagen, Beschlüsse und Architektenunterlagen zum Neubau der Friedenskirche (Krug / van der Minde, Hagen). Dokumentiert u. a. im Inventarblatt der Evangelischen Kirche von Westfalen. | * Presbyterium Bergkamen-Frieden (1980–1982): Planungsvorlagen, Beschlüsse und Architektenunterlagen zum Neubau der Friedenskirche (Krug / van der Minde, Hagen). Dokumentiert u. a. im Inventarblatt der Evangelischen Kirche von Westfalen. | ||
* Wettbewerbe Aktuell 12/1976: Dokumentation des Architektenwettbewerbs zum Gemeindezentrum City Bergkamen. | * Wettbewerbe Aktuell 12/1976: Dokumentation des Architektenwettbewerbs zum Gemeindezentrum City Bergkamen. | ||
* Grohs, Günther (2010–2011): Entwürfe zur farbigen Neuverglasung des Kirchraumes der Friedenskirche Bergkamen. Gemeindeunterlagen. | * Grohs, Günther (2010–2011): Entwürfe zur farbigen Neuverglasung des Kirchraumes der Friedenskirche Bergkamen. Gemeindeunterlagen. | ||
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* Uyanik, Mehmet (1980er): ''Sicht aus der Krippe.'' Kunstinstallation in der Friedenskirche Bergkamen. Gemeindearchiv. | * Uyanik, Mehmet (1980er): ''Sicht aus der Krippe.'' Kunstinstallation in der Friedenskirche Bergkamen. Gemeindearchiv. | ||
* Krug, Fritz / van der Minde, Hagen (1980–1982): Architekturentwurf für die Friedenskirche Bergkamen. Dokumentiert im Inventarblatt ''Friedenskirche Bergkamen'' der Evangelischen Kirche von Westfalen. | |||
* https://www.friedenskirchengemeinde-bergkamen.de/ | |||
* https://www.lwl-dlbw.de/de/forschung/kirchenbau-nach-1945/ | |||
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[[Kategorie:Kirchen]] | |||