Geschichte

 

Die Christuskirche in Rünthe ist eine der beiden Kirchen der Evangelischen Martin-Luther-Kirchengemeinde Bergkamen. Geboren wurde die evangelsiche Kirche im Jahr 1902 – allerdings im Obergeschoss einer Gaststätte, wo Hilfsprediger Otto Jesse ab 1901 Gottesdienste hielt, weil es in Rünthe schlicht noch keine Kirche gab. Ein Kirchenraum mit Thekenanschluss – durchaus praktisch. 1902 war es dann so weit: Mit Spenden, einem geschenkten Grundstück und viel Eigenleistung entstand die Christuskirche an der Werner Straße. Am 4. Dezember wurde sie feierlich eingeweiht und 1905 zur eigenständigen Kirchengemeinde erhoben. Die folgenden Jahrzehnte waren bewegt: große Gemeinde, starke Pfarrerpersönlichkeiten, Aufbau nach dem Krieg und schließlich die Einrichtung eines zweiten Pfarrbezirks mit der Martin-Luther-Kirche (1961) – ebenfalls in Rünthe –, sodass der Ort Rünthe zunächst zwei evangelische Kirchen unter dem Dach einer gemeinsamen Kirchengemeinde hatte.

Die ursprüngliche Christuskirche an der Werner Straße war über Jahrzehnte das geistliche Zuhause vieler Rüntherinnen und Rünther – bis sie 1989 wegen eines massiven Hausschwamm-Befalls abgerissen werden musste. Für die Gemeinde war das ein schmerzlicher Verlust: eine Kirche, die man liebte, verschwand aus dem Ortsbild. Fast zwanzig Jahre später, 2008, standen die Gemeinden Rünthe und Oberaden vor einem neuen Problem: Durch die Vereinigung beider Gemeinden gab es plötzlich zwei Lutherkirchen – die Lutherkirche in Rünthe und die Martin-Luther-Kirche in Oberaden. Verwechslungen waren vorprogrammiert.

Die Superintendentin schlug daher eine Umbenennung vor. Und die Gemeinde Rünthe war sich schnell einig:

Wenn die Kirche schon einen neuen Namen bekommen soll, dann einen mit Geschichte. So erhielt die ehemalige Lutherkirche ihren heutigen Namen Christuskirche – als bewusste Erinnerung an die 1989 verlorene Kirche und als Zeichen dafür, dass ihr Name und ihre Bedeutung weiterhin zum Ort gehören.

Architektur

Die Christuskirche Rünthe (heute der Name der ehemaligen Lutherkirche von 1961) ist ein Beispiel für bodenständige evangelische Architektur der Nachkriegszeit, die nicht beeindrucken will, sondern funktionieren. Und genau das tut sie – zuverlässig und mit einer gewissen unaufdringlichen Freundlichkeit.

Der Bau zeigt die typische Gestaltung kleiner evangelischer Gemeindekirchen der 1960er Jahre:

  • klare, rechteckige Grundform
  • schlichtes Satteldach
  • zurückhaltende Fassadengliederung
  • großzügige Fensterflächen, die den Raum hell machen

Eine Besonderheit der Rünther Christuskirche ist ihre vollständige Ebenerdigkeit. Altar, Kanzel, Taufstein – alles befindet sich auf einer Ebene.

Keine Stufen, keine Podeste, keine erhöhte Kanzel: ein Raum, der Nähe statt Distanz schafft.

Glockenturm und Glocke(n)

Die Christuskirche Rünthe besitzt keinen hohen, historisierenden Kirchturm – sondern einen schlichten, funktionalen Glockenturm, der perfekt zur Architektur der 1960er Jahre passt.

Der Turm ist ein einfacher, rechteckiger Stahl- bzw. Betonaufbau mit offenem Glockenstuhl. 1963 erhielt der Turm seine bis heute prägende Glocke, gegossen in der traditionsreichen Glockengießerei Rincker (Sinn, Westerwald). Am Erntedankfest 1963 wurde sie feierlich geweiht – zu einem Zeitpunkt, als die damalige Lutherkirche (heute Christuskirche) ihren zweiten Pfarrbezirk festigte und akustisch eine eigene „Stimme“ bekam. Auch wenn die Kirche seit 2008 wieder Christuskirche heißt, stammt die Glocke noch aus der Zeit als Lutherkirche – ein kleines klingendes Stück Kontinuität.

Inneneinrichtung

Die Christuskirche ist eine der bodenständigsten Kirchen Bergkamens – im ganz wörtlichen Sinn: Alles ist ebenerdig.

Altar, Kanzel, Taufstein – kein Podest, keine Stufen, keine Höheninszenierung.

Besonderheiten des Innenraums:

  • Zentrierter Altar: steht in der optischen Mitte, wirkt durch Platzierung statt durch Höhe.
  • Ebenerdige Kanzel: mehr Redepult als Kanzelfelsen – theologisch nah an der Gemeinde.
  • Taufstein: massiv, zeitlos, ohne Ornamente – ein Symbol zum Anfassen.
  • Kreuz: wegen seiner Einfachheit hat das Kreuz eine auffallende Wirkung, hängt ruhig und gut sichtbar im Altarraum
  • Musik: vom Harmonium im Gasthof zur Orgel im eigenen Gotteshaus, stammt aus der Zeit des Gemeindebaus in den frühen 1960er Jahren und wurde bewusst für einen hellen, übersichtlichen und eher kleinen Kirchenraum konzipiert.

Gemeinde heute

Die Christuskirche ist heute ein kleiner, aber treuer Fixpunkt im Bergkamener Gemeindeleben.

Sie steht für Nähe statt Monumentalität, für Schlichtheit statt Inszenierung – und für eine Geschichte, die zeigt, wie viel eine Gemeinde schaffen kann, wenn sie gemeinsam baut, glaubt und anpackt.

Kurz gesagt: Eine Kirche ohne Stufen – aber mit viel Geschichte.

Literatur

  • Martin Litzinger: Rünthe – Gemeinde zwischen Lippe und Bever. Die Geschichte der Gemeinde Rünthe bis zum Jahre 1966. Schriftenreihe „Aus der Geschichte Bergkamens und seiner Stadtteile“, Band 2. Bergkamen 2005.
  • Ev. Kirchengemeinde Rünthe: Pfarrchroniken, Gemeindebriefe und historische Unterlagen (unveröffentlicht).
  • Evangelische Martin-Luther-Kirchengemeinde Bergkamen: Gemeindearchiv, Dokumente zur Kirchenvereinigung und Umbenennung der Lutherkirche (2008).
  • Stadt Bergkamen (Hg.): Geschichte Bergkamens. Von der Bauernschaft zur Bergbaustadt. Bergkamen 2001.
  • Westfälisches Landeskirchenarchiv Bielefeld: Bestände zu Herringen, Rünthe, Oberaden und den Abpfarrungen um 1900–1910.
  • Digitalisat: Ev. Gemeinde Rünthe – historische Materialien zur Christuskirche. Deutsche Digitale Bibliothek, https://www.deutsche-digitale-bibliothek.de/item/55LUVDKWBGICFGVRJ63CAF2XDWTVHMYB