Thomaskirche
1. Geschichte
Die Thomaskirche Overberge gehört zu den markanten kirchlichen Orten Bergkamens – entstanden in einer Zeit, in der der junge Stadtteil im Aufbruch war. Overberge, lange geprägt von Bauernhöfen, Bergbau und neuen Siedlungen, brauchte Mitte der 1950er Jahre dringend einen eigenen Ort für Gemeinschaft, Gottesdienst und all das, was eine lebendige Gemeinde ausmacht – von der Frauenhilfe bis zum Posaunenchor. Sie ist ein Kind des Baubooms der 1950er Jahre – also jener Zeit, in der Deutschland an jeder Ecke neue Kirchen und Gemeindezentren aus dem Boden schossen wie frisch gegossene Waffeln am Gemeindefest. 1954 gründete Presbyter Schlüter einen Kirchbauverein, denn die Overberger Gruppen (Männerdienst, Posaunenchor, Frauenhilfe) wollten nicht dauerhaft in der Gaststätte Schmülling proben – auch wenn die Akustik dort vermutlich „urig“ war. Auf dem Grundstück von Bauer Klute ging es schnell voran:
Himmelfahrt 1956 Richtfest – 1. Advent 1956 Einweihung.
Der erste Täufling war Jürgen Darenberg – dessen Großvater praktischerweise den Dachstuhl gezimmert hatte. Kostenpunkt: 80.000 DM, weil viele Handwerker zum Selbstkostenpreis arbeiteten. Overberge war der Zeit also weit voraus: FairTrade-Kirchenbau. In den 70ern wurde der Kirchsaal zu klein, also folgte 1978/79 ein Anbau mit Küche, Gruppenräumen und neuen Toiletten (wichtig!).

Um 2010 standen dann Großsanierungen an: neue Fenster (aus der Büscherstiftung), neue Küche, neuer Eingangsbereich, neue Toiletten – und ein Kirchturm für die Glocke. Die Kirche bekam sozusagen ihr eigenes „Update 2.0“.
2. Architektur
Die Thomaskirche wurde ursprünglich nicht als „klassische Kirche“ geplant, sondern als multifunktionaler Kirchsaal – damals Avantgarde, heute würde man sagen: „Event-Space mit liturgischer Option“.
Einige architektonische Besonderheiten:
- Ursprünglich ein Saal ohne Turm – kompakt, praktisch, funktional.
- Der Altarraum war zugleich Bühne mit Vorhang.
- Die Bänke konnten zu Tischen umgeklappt werden – IKEA hätte es nicht besser lösen können.
- 1978/79 kam ein vielgliedriger Anbau dazu.
- 2009–2011 wurde saniert und erweitert – inkl. eigenem Kirchturm für die Glocke der Büscherstiftung.
3. Inneneinrichtung
Die Inneneinrichtung der Thomaskirche Overberge zeigt bis heute, dass der ursprüngliche Kirchsaal von 1956 als multifunktionaler Raum gedacht war. Nichts war überflüssig, alles sollte flexibel sein – typisch für die pragmatische Nachkriegsmoderne und sehr passend zu einem Stadtteil, der damals im Aufbruch war. Besonders bekannt sind die umklappbaren Bänke des Schreinermeisters Knapp. Mit einem einzigen Griff verwandelten sie sich von Sitzbänken in stabile Tische – ein kleines technisches Wunderwerk, das Gemeindefeiern, Bibelkreise und Kaffeerunden gleichermaßen möglich machte. Wer wollte, konnte also am selben Platz erst predigtandächtig sitzen und eine Stunde später am exakt selben Möbelstück seine Waffel essen.
Der Altarraum war ebenfalls als Bühnenraum konzipiert, mit Vorhang und der Möglichkeit, Aufführungen oder größere Gemeindeabende zu gestalten. Diese Mehrfachnutzung war nicht nur praktisch, sondern Ausdruck eines Gemeindeverständnisses, das Liturgie und Alltagsleben nicht streng voneinander trennte.
Weitere Elemente der Inneneinrichtung:
- ein schlichter, funktionaler Taufplatz
- eine seit 1966 vorhandene Orgel, die den Kirchsaal klanglich prägt
- helle Wandflächen und flexible Stuhl- und Tischordnung in den Nebenräumen
- moderne Küchen- und Sanitärbereiche (Erweiterung und Renovierung 1978/79 und 2009–2011)
Die Inneneinrichtung ist somit ein Spiegel der Geschichte der Thomaskirche: bodenständig, wandelbar, einladend – und immer bereit, vom Gottesdienst ins Gemeindeleben umzuschalten.
4. Glocken
Die Thomaskirche besaß lange keine eigene Glocke – aber seit der Renovierung 2009–2011 hat sie eine Glocke aus der ehemaligen Büscherstiftung.
Dazu wurde sogar ein eigener Kirchturm gebaut, sehr zur Freude aller, die gerne auf die Uhr schauen und dafür eine akustische Unterstützung schätzen.
Die Glocke ist heute nicht nur Klanggeber, sondern Symbol dafür, wie sich die Gemeinde strukturell verändert und gemeinsam Lösungen gefunden hat.
5. Kunst
Kunst im engeren Sinne ist in der Thomaskirche eher funktional als museal – ganz im Sinne der Nachkriegsmoderne. In der Friedenskirche und der Thomaskirche im Bergkamener Stadtteil Overberge gehören Arbeiten von Gisela Schmidt zum ständigen Bildschmuck. Sie schuf u. a. moderne Taufbecken für die Büscherstiftung Bergkamen sowie für die Thomaskirche in Bergkamen die Kirchenfenster.
Besonders hervorzuheben:
- Fenster aus der Büscherstiftung Diese wurden 2009–2011 integriert von Christiane Schwarze-Kalkoff und von Gisela Schmidt und bringen Licht, Farbe mit.
- Taufbecken
- Das Taufbecken ist verziert mit...
6. Kirche heute
Die Thomaskirche ist heute ein lebendiges Gemeindezentrum der Friedenskirchengemeinde Bergkamen – modernisiert, gut besucht, funktional aufgestellt.
Sie ist Heimat für:
- Gottesdienste
- Gruppen aller Art
- Kinderchor (die Kirchenspatzen)
- Feste, Basare, Jubiläen
Die Gemeindegröße hat sich seit den 90ern reduziert – aber die Atmosphäre ist geblieben: familiär, hell, offen, voller Leben.