Marie-Juchacz-Straße
Die Marie- Juchacz-Straße ist eine Straße im Stadtteil Bergkamen-Mitte. Sie zweigt von der Wilhelm-Leuschner-Straße nach Norden ab. Die Straße und das Hermann-Görlitz-Seniorenzentrum wurden 1969 erbaut. Die Straße hat nur eine Hausnummer.

Namensherkunft und Geschichte Bearbeiten
Einen Straßennamen zu vergeben ist keine Kleinigkeit. Stadtrat und Bürgerschaft haben dabei nicht immer dieselben Favoriten – und manchmal auch nicht dieselbe Geduld. Ich habe festgestellt, dass in Bergkamen wenig Frauennamen gewählt werden. Schön ist es, wenn der Name nicht nur auf dem Straßenschild gut aussieht, sondern auch zum Charakter der Straße und ihrer Bewohnerinnen und Bewohner passt. Oft kennen wir die Geschichte hinter einem Straßennamen kaum. Dabei würdigen wir mit dieser Namensgebung Menschen, die sich für Sozialreformen, Menschenrechte und gesellschaftlichen Zusammenhalt eingesetzt haben. Für die Anwohner kann ein Straßenname Mahnung und Inspiration zugleich sein – ganz ohne erhobenen Zeigefinger.
Klein, aber voller Herz
Die Marie-Juchacz-Straße in Bergkamen ist keine große Verkehrsader. Eher eine ruhige Seitenstraße – aber eine mit Charakter. Und mit einer Namensgeberin, die genau wusste, wie wichtig Gemeinschaft ist.
Marie Juchacz war leidenschaftliche Kämpferin für soziale Gerechtigkeit und Gründerin der Arbeiterwohlfahrt. Wer hier wohnt oder arbeitet, steht also gewissermaßen unter dem Schutzpatronat von Mitmenschlichkeit, Solidarität und einer ordentlichen Portion Herz. Besonders gelungen ist das Zusatzschild, das über die Namensgeberin informiert. Solche Erläuterungen sollten eigentlich Standard sein – Straßenschilder mit Bildungsauftrag.
Mitten in dieser ruhigen Straße steht ein Haus, das fast wie ein kleines Dorf wirkt: das Hermann-Görlitz-Seniorenzentrum. Hermann Görlitz war dem Bergbau zeitlebens verbunden und engagierte sich bereits in der Weimarer Republik für den Ausbau des Sozialstaates – sowohl in der SPD als auch in der AWO. Er lebte von 1898 bis 1971 und war Bürger unseres Kreises.
Die Straße hat nur eine Hausnummer, dafür aber viele Gebäude: Wohnbereiche, Verwaltung, Café und Gemeinschaftssaal. Besonders hervorzuheben sind das Kneippbad sowie die geschützten Gartenbereiche mit Barfußpfad. Neu hinzugekommen ist im nördlichen Bereich ein großzügiger Kita-Bereich. Jung und Alt so nah beieinander – schöner kann Generationenbegegnung kaum aussehen.
Heute leben hier rund 140 Bewohnerinnen und Bewohner, die rund um die Uhr betreut werden. Menschen voller Lebenserfahrung, Geschichten, Erinnerungen – und gelegentlicher Wortwitze. Leider auch Menschen die spezielle Hilfe brauchen, weil sie Demenz erkrankt sind. Im Pflegeheim gibt es Mitarbeiter die speziell geschult sind um mit Demenzkranken umzugehen und ihre Bedürfnisse zu verstehen. Sie finden weiter Sicherheit, soziale Kontakte und medizinische Versorgung. All das gibt es hier. Und ja, Humor hat hier auch Tradition. Dafür sorgen über 80 festangestellte Mitarbeitende. Der mitunter hohe Krankenstand verlangt der Leitung viel Fingerspitzengefühl ab – Organisationstalent inklusive.
Die Entscheidung für ein Seniorenheim
Der Umzug in ein Seniorenheim ist ein großer Schritt, oft begleitet von gemischten Gefühlen. Unsicherheit, Zweifel oder sogar Angst sind ganz normal – das berichten viele Bewohnerinnen und Bewohner. Schließlich heißt es, Vertrautes loszulassen und sich auf Neues einzulassen.
Mit guter Vorbereitung, Offenheit und etwas Geduld kann dieser Schritt jedoch zu einem positiven Neuanfang werden: mehr Geborgenheit, Gemeinschaft und Entlastung im Alltag. Auch Angehörige müssen kein schlechtes Gewissen haben – denn sie wissen ihre Lieben in guten Händen.
Meine Frau und ich sind selbst knapp 80 Jahre alt und gesundheitlich noch recht gut „in Schuss“. Wir unterstützen uns gegenseitig, so gut es geht. Ein klares Zukunftskonzept haben wir allerdings nicht. Am liebsten soll alles so bleiben, wie es ist – ein Wunsch, der mit zunehmendem Alter erstaunlich hartnäckig wird.
Man trifft sich Bearbeiten
Helga traf ich am Anfang meiner Straße. Sie wirkte etwas hilflos. Auf meine Frage, ob sie aus dem Seniorenheim sei, antwortete sie mit einem schlichten „Ja“. Sie hatte den Weg zurück nicht mehr gefunden. Ich brachte sie nach Hause, und die Heimleitung bedankte sich herzlich.
Konrad begegnete mir in der Gartensparte „Grüne Insel“. Heimlich – zumindest meinte er das – trank er gerade einen kleinen Kräuterschnaps. Auf meine Frage, warum er allein unterwegs sei, sagte er: „Im Heim ist es schwer, Freunde zu finden. Viele haben Schmerzen oder keine Lust zum Laufen.“ Ehrlich, direkt und irgendwie nachvollziehbar.
Detlef wiederum ist kein Senior. Er ist etwa fünfzig Jahre alt und körperlich behindert. An den Wochenenden erkundet er mit seinem elektrischen Rollstuhl das Wohngebiet, unter der Woche arbeitet er in einer Behindertenwerkstatt. Diese Arbeit gefällt ihm sehr, sie gibt seinem Alltag Struktur. Wenn wir uns begegnen, ist er stets gut gelaunt – und hat fast immer etwas Neues zu erzählen.
Zu jeder Jahreszeit finden im Heim große und kleine Feierlichkeiten statt. Im Sommer wird dafür gern die „Festwiese“ genutzt. Die gemütlichen Sitzecken dienen als Treffpunkte für Bewohner, Angehörige und Gäste – manchmal auch einfach nur für ein gutes Gespräch.
Bei meinem letzten Besuch im Januar 2026 wurde ich von Mitarbeitenden und Bewohnern herzlich begrüßt. Die Stimmung war ausgesprochen gut – in dieser geschützten Umgebung spürbar und ansteckend.
Gemeinschaft, die man spürt
Ob beim gemeinsamen Frühstück, im Garten oder beim kurzen Plausch auf dem Flur – hier entsteht etwas, das man nicht planen kann: echte Gemeinschaft. In der Marie-Juchacz-Straße begegnen sich Menschen mit Respekt, Nachbarschaftsgefühl und einem offenen Ohr füreinander.
Und wenn aus dem Seniorenheim Gelächter zu hören ist, dann weiß man: Hier wird nicht nur betreut – hier wird gelebt.
Die öffentlichen Bereiche der Einrichtung sind thematisch unterschiedlich gestaltet. Ein jeweils durchgehender „roter Faden“ zieht sich durch die Räume. Er dient nicht nur der Dekoration, sondern ist für viele Bewohnerinnen und Bewohner eine wertvolle Orientierungshilfe.
Ein kleines Fazit
Die Marie-Juchacz-Straße ist ein Ort, an dem der Geist ihrer Namensgeberin weiterlebt: als Einladung zu Menschlichkeit, Zusammenhalt und Freundlichkeit. Und das Seniorenzentrum? Ein Haus voller Geschichten, Herzenswärme und Menschen, die zeigen, dass das Alter keineswegs das Ende der Lebensfreude ist – sondern manchmal sogar ihr zweiter Frühling. index.php?title=Kategorie:Straßen index.php?title=Kategorie:Straßen in Mitte