Evangelische Kirche in Bergkamen: Unterschied zwischen den Versionen

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== 1.Geschichte ==
== Geschichte ==
Die evangelische Kirche in Bergkamen startete weniger mit einer idyllischen Dorfkirche, sondern – typisch Ruhrgebiet – mitten im echten Leben: '''in einem sozialen Zentrum der Bergwerksgesellschaft''' auf der Alten Kolonie am damaligen Königsplatz (heute Kurt-Schumacher-Platz). Dort befanden sich ab ca. '''1905–1907''' nicht nur Gottesdiensträume, sondern auch ein Kindergarten, eine Schwesternstation und sogar eine Gemeindebibliothek. Diese erste Kirche war also weniger „Turm und Geläut“ und mehr „Mehrzweckhalle mit Altar“.
Die evangelische Kirche in Bergkamen startete weniger mit einer idyllischen Dorfkirche, sondern – typisch Ruhrgebiet – mitten im echten Leben: '''in einem sozialen Zentrum der Bergwerksgesellschaft''' auf der Alten Kolonie am damaligen Königsplatz (heute Kurt-Schumacher-Platz). Dort befanden sich ab ca. '''1905–1907''' nicht nur Gottesdiensträume, sondern auch ein Kindergarten, eine Schwesternstation und sogar eine Gemeindebibliothek. Diese erste Kirche war also weniger „Turm und Geläut“ und mehr „Mehrzweckhalle mit Altar“.


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Über viele Jahrzehnte waren aber auch das '''Bodelschwingh-Haus''' und das '''Wichernhaus''' Herzstücke der Gemeindearbeit: Orte der Begegnung, des Feierns, der Gruppenarbeit und der Konfirmationen.  Doch diese Gebäude wurden entwidmet, denn manchmal bestimmen nicht Gefühle, sondern Statik, Brandschutz und Finanzen.
Über viele Jahrzehnte waren aber auch das '''Bodelschwingh-Haus''' und das '''Wichernhaus''' Herzstücke der Gemeindearbeit: Orte der Begegnung, des Feierns, der Gruppenarbeit und der Konfirmationen.  Doch diese Gebäude wurden entwidmet, denn manchmal bestimmen nicht Gefühle, sondern Statik, Brandschutz und Finanzen.


== 2.Architektur & Wandel ==
== Architektur & Wandel ==
Die ersten evangelischen Räume waren Zweckeinrichtungen der Kolonie. Nach 1945 änderte sich das Bild: Die neuen Kirchen wurden hell, schlicht, liturgisch klar – typisch protestantisch und ideal für Gemeinden, die gleichzeitig feiern, trauern, arbeiten und singen wollten. Die [[Auferstehungskirche]] etwa ist eine klassische '''Parabelkirche''' mit Holzbinderbogen – Architektur, die aussieht wie ein schützendes Zelt der Zuversicht. Die späteren Neubauten wie die [[Thomaskirche]] und die [[Friedenskirche]] kamen in moderner Formensprache, aber immer mit derselben Leitidee: '''Gemeinschaft braucht Raum.'''
Die ersten evangelischen Räume waren Zweckeinrichtungen der Kolonie. Nach 1945 änderte sich das Bild: Die neuen Kirchen wurden hell, schlicht, liturgisch klar – typisch protestantisch und ideal für Gemeinden, die gleichzeitig feiern, trauern, arbeiten und singen wollten. Die [[Auferstehungskirche]] etwa ist eine klassische '''Parabelkirche''' mit Holzbinderbogen – Architektur, die aussieht wie ein schützendes Zelt der Zuversicht. Die späteren Neubauten wie die [[Thomaskirche]] und die [[Friedenskirche]] kamen in moderner Formensprache, aber immer mit derselben Leitidee: '''Gemeinschaft braucht Raum.'''


== 3.Kirche heute ==
== Kirche heute ==
Die evangelische Kirche in Bergkamen sortiert sich neu – und wie immer im Ruhrgebiet geschieht das mit einer Mischung aus Pragmatismus, Herz und einer Prise Humor. '''Bis 2027 fusionieren die Martin-Luther-Gemeinde und die Friedenskirchengemeinde.''' Der Grund dafür ist schlicht: Weniger Personal, mehr Aufgaben, und der Wunsch, Kräfte zu bündeln statt sich zu verzetteln. Bereits jetzt werden Gottesdienste zusammengelegt und Pfarrstellen verändern sich – nicht weil Kirche „schrumpft“, sondern weil sie sich '''neu aufstellt'''.
Die evangelische Kirche in Bergkamen sortiert sich neu – und wie immer im Ruhrgebiet geschieht das mit einer Mischung aus Pragmatismus, Herz und einer Prise Humor. '''Bis 2027 fusionieren die Martin-Luther-Gemeinde und die Friedenskirchengemeinde.''' Der Grund dafür ist schlicht: Weniger Personal, mehr Aufgaben, und der Wunsch, Kräfte zu bündeln statt sich zu verzetteln. Bereits jetzt werden Gottesdienste zusammengelegt und Pfarrstellen verändern sich – nicht weil Kirche „schrumpft“, sondern weil sie sich '''neu aufstellt'''.


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Schneider, Udo / Klöcker, Michael (Hg.): ''Religiöse Topografie des Ruhrgebiets''. Essen 2012.
Schneider, Udo / Klöcker, Michael (Hg.): ''Religiöse Topografie des Ruhrgebiets''. Essen 2012.
[[Kategorie:Kirchen]]