Martin-Luther-Kirche
Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
Die Wurzeln der evangelischen Gemeinde in Oberaden reichen weit zurück: Bis ins Kirchspiel Methler, das bereits im 9. Jahrhundert schriftlich erwähnt wird und zu den ältesten Gemeinden der Region gehört. Oberaden gehörte über Jahrhunderte dorthin, bis die wachsende Bevölkerung – besonders durch den Bergbau – ein eigenes Gotteshaus nötig machte.

Am 7. April 1957 wurde die Martin-Luther-Kirche eingeweiht, 1958 wurde Oberaden kirchlich selbstständig. Der Neubau folgte der sachlichen Nachkriegsmoderne – und erhielt ein besonderes architektonisches Zeichen: den freistehenden Turm in der Form einer Grubenlampe, als sichtbares Symbol für Herkunft, Beruf und Lebenswelt der Bergleute, die den Ort prägten Am 18. Januar 1978 geriet während einer Orgelüberholung der Orgelmotor in Brand; durch den starken Luftzug im Instrument breitete sich das Feuer explosionsartig aus. Dachstuhl, Holzdecke, Gestühl und Orgel wurden schwer beschädigt, Ruß und Hitze setzten dem gesamten Innenraum zu .Die Gemeinde reagierte sofort: Spenden, Hilfsangebote, provisorische Gottesdienste – Oberaden rückte zusammen. Der Wiederaufbau durch Architekt F. H. Breuer, einst Mitarbeiter des ursprünglichen Kirchenbauers Dr. Pelargus, orientierte sich am alten Baukonzept, nutzte aber moderne Technik: neue Decke und Dachkonstruktion, Fußboden-Luftheizung, neues Gestühl und schließlich der Neubau einer Ott-Orgel.
Architektur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
Die Martin-Luther-Kirche Oberaden ist ein typisches, aber charakterstarkes Kind der evangelischen Nachkriegsmoderne. Der Bau verzichtet bewusst auf überbordende Ornamentik und setzt stattdessen auf klare Linien, viel Licht und funktionale Schlichtheit – ein Ansatz, der sowohl dem Zeitgeist der 1950er Jahre als auch der bergarbeitergeprägten Gemeinde entsprach. Das markanteste architektonische Detail ist der freistehende Glockenturm, der nicht nur konstruktiv, sondern auch symbolisch eine Sonderrolle spielt. Er wurde bewusst in der Form einer Grubenlampe gestaltet, als Hommage an die zahlreichen Bergleute, die die Gemeinde prägten und die den Bau der Kirche überhaupt erst notwendig machten.
Die Grubenlampensilhouette ist hoch, schlank und funktional – und gleichzeitig ein identitätsstiftendes Symbol:
ein „Licht im Ort“, das sowohl an die Arbeit unter Tage erinnert als auch an das biblische Motiv vom Licht, das den Weg weist .Der eigentliche Kirchenraum ist ein klar gegliederter, rechteckiger Saalbau. Innen dominieren helle Flächen, Holz und eine ruhige, protestantische Linie.
Inneneinrichtung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
Altar, Kanzel und Taufstein[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
Altar, Kanzel und Taufstein bilden eine klare liturgische Einheit. Sie stehen gut sichtbar im vorderen Raum, deutlich voneinander unterscheidbar, aber bewusst aufeinander bezogen.
Der Altar selbst ist zurückhaltend gestaltet – ein fester, schlicht proportionierter Tisch, der die Feier des Heiligen Abendmahls würdig, aber unaufgeregt ermöglicht. Die Kanzel daneben greift die gleiche Formensprache auf: funktional, hell, ohne Zierrat.Beim Kirchenbrand von 1978 wurde der Bereich um den Taufstein stark verrußt und teilweise beschädigt, der Stein selbst überstand das Feuer jedoch weitgehend unversehrt. Im Zuge des Wiederaufbaus wurde er gereinigt, instandgesetzt und in den helleren, erneuerten Altarraum eingebunden. Heute wirkt der Taufstein – schlicht, freundlich und gut sichtbar positioniert – wie ein kleines Versprechen: Hier fängt etwas Neues an.
Fenster[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
An der Ostseite öffnen sich großformatige Fensterflächen, die zwei Welten miteinander verbinden: biblische Motive und Elemente der regionalen Lebenswelt – ein bewusstes Gestaltungskonzept der jungen Bergarbeitergemeinde. Die Gläser erzählen damit nicht nur Heilsgeschichte, sondern auch Alltagsgeschichte: Lichtspiele, Formen und Farben erinnern an Arbeit, Hoffnung und Zusammenhalt. Die ursprüngliche Bleiverglasung war allerdings „gut durchlüftet“ – so gut, dass es im Winter in der Kirche nie richtig warm wurde. Deshalb erhielt die Ostfront um die Jahrtausendwende eine Doppelverglasung, die das ursprüngliche Erscheinungsbild bewahrt, aber für spürbar mehr Wärme sorgt.
In ihrer Gesamtheit wirken die Fenster wie ein stilles, beständiges Bildprogramm: schlicht, symbolstark, lichtfreundlich – und mit einem Blick auf die Region, der zeigt, wie tief Glaube und Bergbau in Oberaden miteinander verwoben waren.
Orgel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
Die Orgel der Martin-Luther-Kirche hat eine bewegte Geschichte, die man fast als zweite „Gemeindebiografie“ lesen könnte. Ursprünglich verfügte die Kirche über eine Kemper-Orgel, die Ende der 1950er Jahre eingebaut wurde und viele Jahrzehnte zuverlässig den Gemeindegesang trug. Während einer mehrwöchigen Überholung entzündete sich am 18. Januar 1978 der Orgelmotor – eine kleine technische Störung mit großer Wirkung. Durch den Luftstrom der Orgel breitete sich das Feuer rasch aus; das Instrument wurde vollständig zerstört und spielte in der Brandgeschichte der Kirche eine zentrale Rolle. Nach dem Brand entschied sich die Gemeinde für eine neue Orgel. Nach Beratungen mit Fachleuten und Besichtigungen verschiedener Instrumente wurde der Bau einer Ott-Orgel beschlossen, die 1979/1980 eingeweiht wurde. Sie war nicht nur Ersatz, sondern ein echtes gestalterisches Element: klanglich ausgewogen, modern konzipiert und in die neue, hellere Innenraumgestaltung integriert. Die Kosten des Orgelneubaus betrugen 317.097,21 DM – ein großer Betrag, der aber durch Versicherung, Landeskirche und zahlreiche Spenden gestemmt wurde.
Kirche heute[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
Heute ist die Martin-Luther-Kirche eine moderne, lebendige Gemeinde.Papierlisten wurden teilweise vom Internet abgelöst, der Gemeindebrief erscheint online, und der Kirchenraum ist weiterhin so flexibel, dass er mal Gottesdienstraum, mal Konzertsaal ist.
Hier fanden und finden statt:
- Gottesdienste aller Art – von festlich bis improvisiert
- Konfirmandenfreizeiten-Abschlussgottesdienste mit gelegentlichem Chaosfaktor
- Basare, Feste, Kinderbibelwochen
- Chorproben, die gelegentlich zu musikalischen Glanzstunden führen
- Gesprächskreise, in denen schon jede existenzielle Frage einmal auf dem Tisch lag
Und natürlich die besonderen Momente: Taufen, Trauungen, Trauerfeiern – Lebensgeschichten im Kreis von Menschen, die die Kirche tragen.
Trotz Baumaßnahmen, Strukturreformen und Fusionen bleibt sie das, was sie immer war: Ein verlässlicher Ort für Glauben, Gemeinschaft und gute Geschichten – evangelisch, bergkamen-typisch und mit einem Hauch Lutherhumor.
Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
- Festschrift 50 Jahre Martin-Luther-Kirche Oberaden (1957–2007). Evangelische Kirchengemeinde Oberaden (Hg.). Bergkamen 2007.
- Ev. Martin-Luther-Kirchengemeinde Bergkamen: Gemeindearchiv Oberaden, Dokumente zu Baugeschichte, Kirchenbrand 1978, Wiederaufbau 1978–1979 und Gemeindearbeit seit 1957.
- Presbyteriumsprotokolle (Auszüge, unveröffentlicht): Bauplanungsunterlagen, Wiederaufbaukonzepte, Orgel- und Turmstatikunterlagen.
- Stadt Bergkamen (Hg.): Geschichte Bergkamens. Von der Bauernschaft zur Bergbaustadt. Bergkamen 2001.
- Westfälisches Landeskirchenarchiv Bielefeld: Bestände zur Kirchengeschichte im Kreis Unna (Kirchspiel Methler, Oberaden, Rünthe).
- Westfälische Rundschau / Hellweger Anzeiger: Artikel zu Kirchenbrand, Wiederaufbau und Gemeindejubiläen (1957–2007).
- Ev. Martin-Luther-Kirchengemeinde Bergkamen – Kirchenstandort Oberaden: https://www.martin-luther-bergkamen.de
Deutsche Digitale Bibliothek: Historische Quellen Oberaden / Bergkamen (Auswahl)